KI-ETHIK

Kohärenz ist keine Wahrheit

Flüssige Sprache ist ein Antwortvorschlag. Verlässlichkeit entsteht, wenn einzelne Claims mit passender Evidenz abgeglichen und Grenzen dokumentiert werden.

Fließende blaue Textlinien laufen durch eine Prüfstufe zu getrennten Evidenzkarten.
Ein Bildmotiv für die Trennung von sprachlicher Form und externer Evidenz.

Die Prüfungsfrage

Welche einzelne Aussage stützt eine für die konkrete Frage geeignete Quelle – und woran erkennen wir, dass wir sie korrigieren müssen?

Der fiktive Kursfall

Ein Assistent behauptet, Python sei Voraussetzung für einen Grundlagenkurs. Das freigegebene Programm verlangt es nicht; ein optionales Zusatzblatt empfiehlt Python nur für eine Aufbauübung. Der Fall ist vollständig erfunden.

Vier Dinge auseinanderhalten

Kohärenz

Sätze passen sprachlich zusammen. Das zeigt noch nicht, dass sie dem Sachverhalt entsprechen.

Claim

Eine einzelne, prüfbare Aussage. Fakten, Werturteile, Prognosen und Empfehlungen brauchen verschiedene Prüfwege.

Evidenz

Eine passende, aktuelle Quelle, die im richtigen Geltungsbereich den konkreten Claim stützt, ihm widerspricht oder ihn offen lässt.

Was Forschung und Leitlinien beitragen

Zusammenfassungs-, Wahrheitsbenchmark- und RAG-Studien zeigen Fehler in den jeweils untersuchten Aufgaben und Modellbeständen. Quellenattribution bewertet, ob eine Aussage durch eine identifizierte Quelle gestützt wird. Kalibrierungs-, Unsicherheits- und Selbstkorrekturforschung liefert begrenzte Signale – keine allgemeine Wahrheitsgarantie.

F im Fall anwenden: A → B → D → C

Ablauf vom prüfbaren Claim über Alternativerklärungen, Quellenpassung und unabhängige Prüfung zu einem begrenzten Fazit.
Prüfpfad mit Rückkopplung: Ein Gegenbeleg kann eine frühere Erklärung erneut öffnen.
A · Frage schärfenKurs, Fassung und Bedeutung von „Voraussetzung“ festlegen.
B · Alternativen bildenKorrekte Quelle, Versionsvermischung oder unbelegte Lückenfüllung gegeneinander prüfen.
D · Beleg und KorrekturClaim zerlegen, Quelle und Fundstelle vergleichen, Fehler und offene Grenzen protokollieren.
C · Antwort begrenzenEine überprüfte, fassungsspezifische Auskunft formulieren und einen Revisionsauslöser festlegen.

So ändert sich die Antwort

„Das freigegebene Grundlagenprogramm nennt keine Python-Voraussetzung. Das Zusatzblatt nutzt Python für eine optionale Aufbauübung. Für einen anderen Kursdurchlauf muss die aktuelle Fassung geprüft werden.“

Prüftiefe nach Wirkung wählen

Eine Vollprüfung jeder reversiblen internen Formulierung kann unverhältnismäßig sein. Aussagen zu Zugang, Sicherheit oder schwer umkehrbaren Entscheidungen brauchen stärkere Evidenz und eine wirksame Freigabe. Fehlt eine geeignete Quelle, bleibt die Antwort offen oder wird weitergeleitet.

K und R übernehmen andere Aufgaben

K · Governance

Der vierstufige Grundzyklus bezieht Zweck, Betroffene und Wissenslücken ein, prüft Werte und Evidenz, legt eine vorläufige Organisationsregel fest und bestimmt Feedback sowie Revision.

R · Fachübergabe

Das eigenständige Beratungsmodell R strukturiert einen konkreten Fachprüfauftrag, etwa wenn tatsächlich eine Rechts-, Vertrags- oder Regulierungsfrage entsteht. Es ersetzt K nicht.

Kursübung · 60–75 Minuten

0–10Fiktive Antwort lesen; Fakten und Wertungen markieren.
10–20Claims einzeln formulieren und Status festhalten.
20–35Mit F-B Alternativen und unterscheidende Evidenz entwickeln.
35–50F-D-Quellenprüfung, Gegenbeleg und Korrektur dokumentieren.
50–65Mit F-C Antwort, Rolle, Stoppsignal und Revision festlegen.
65–75Peer Review: Quelle, Fassung, Scope und offene Unsicherheit prüfen.

Vor Nutzung oder Veröffentlichung

  • Jeder entscheidungstragende Claim ist einzeln prüfbar.
  • Quelle, Version, Fundstelle und Geltungsbereich passen.
  • Ein Link oder eine Modellwiederholung gilt nicht als Prüfung.
  • Fakten und Werturteile sind getrennt; Unsicherheit bleibt sichtbar.
  • Prüf-, Freigabe- und Stopprolle sind benannt.
  • Korrekturweg und Revisionsauslöser sind festgelegt.

Grenzen dieser Übersicht

Forschungsbefunde gelten für die jeweils untersuchten Aufgaben und Modelle; sie sind keine pauschalen Kennzahlen für heutige Systeme. F, K und R werden hier didaktisch angewandt und nicht als empirisch validierte oder rechtsverbindliche Verfahren dargestellt. Die Fallarbeit und Checkliste sind redaktionelle Lernmittel.